RSS Twitter Facebook YouTube


“Schnellstmöglich entfernen”: Der falsche Umgang mit Kritik

Der Wehrbeauftrage Hellmut Königshaus beschwert sich über einen kritischen Kommentar. Der betroffene Radiosender lässt den Beitrag von seiner Homepage verschwinden. Dann erfährt die Öffentlichkeit von dem Fall.
Hellmut Königshaus ist Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestags
Foto: ddp

“Ich erwarte, dass der Kommentar in der Audio- wie in der Textvariante schnellstmöglich aus dem Internetangebot des Deutschlandradios entfernt wird.”

Diesen Satz schrieb der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) in einem mehrseitigen Brief an den Journalisten Klaus Pokatzky. Das Schreiben verschickte er auch an den Intendanten des Deutschlandradios, den Vorsitzenden des Hörfunkrates und den Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur.

Vorausgegangen war ein Kommentar des Journalisten auf Deutschlandradio Kultur. Dort bezeichnete er Königshaus unter anderem als “Ego-Beauftragten” und kritisierte ihn scharf. Königshaus empfand den Kommentar als “Schmähkritik” und “persönliche Herabsetzung.”

Tatsächlich ließ der Radiosender den Kommentar von seiner Homepage verschwinden. Offizielle Begründung: Der Beitrag würde nicht den journalisten Standards des Senders entsprechen.

Der Wehrbeauftragte “beantragt” die Löschung eines Beitrags - der Radiosender entfernt den gesendeten Kommentar, obwohl der von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. BILD machte den Fall öffentlich. Die Folge: Kritik am Radio-Sender, vor allem aber am in diesem Fall seltsam anmutenden Pressefreiheits-Verständnis von Hellmut Königshaus.

"Reaktion war überzogen"


“Die Reaktion des Wehrbeauftragten auf den Kommentar war überzogen. Dass er sich beim Kommentator beschwert, ist in Ordnung. Dass er die Löschung des Kommentars verlangt, geht entschieden zu weit.”, erklärt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbands, gegenüber dem 20zwoelf-Blog.

Ist der Kommentar tatsächlich eine Schmähung und wie sollten Politiker mit öffentlicher Kritik umgehen?

“Der Kommentar ist hart, als Schmähung würde ich ihn nicht bezeichnen. Politiker, und das ist der Wehrbeauftragte qua Amt, müssen sich gefallen lassen, gelegentlich auch scharf kritisiert zu werden. Das dürfte Herr Königshaus aus der politischen Auseinandersetzung kennen,” erklärt Zörner weiter.

Was Königshaus wohl ebenfalls nicht beachtete: Das Internet vergisst nichts. Kurze Zeit, nachdem der Fall öffentlich wurde, stellte das "Bendler Blog" den gelöschten Kommentar online.

Letztlich war es also Königshaus selbst, der dem Kommentar durch seine Lösch-Forderung zu einer Bekanntheit verhalft, die er sonst niemals erlangt hätte.

Auch Deutschlandradio Kultur reagierte und veröffentlichte eine eigene Erklärung: “Es darf kein Zweifel an der Unabhängigkeit von Deutschlandradio entstehen”, schrieb Chefredakteur Peter Lange. Die Löschung des Beitrags begründete er mit Kommunikationspannen: “Die Redaktion hatte den Beitrag ohne Rücksprache entfernt.” Gleichwohl kritisiert er den Kommentar: “Die Vehemenz des Angriffs auf den Wehrbeauftragten erschließe sich nicht aus dem Sachverhalt.” Trotzdem sei die Löschung “falsch” gewesen.

Ergebnis der Debatte: Der Beitrag ist wieder online.
 Andreas Rickmann

Von Andreas Rickmann

  • Seite drucken
  • Link versenden

Kommentare

Einträge werden geladen...


Kommentar:

Noch 1000 Zeichen.

Name: 
Email-Adresse:


(wird nicht veröffentlicht)