RSS Twitter Facebook YouTube


Kritische Journalisten? "Leute, die nur Ärger machen wollen"

Fairplay und Respekt. Das sind die zentralen Begriffe, die Fifa-Chef Joseph Blatter seit Jahrzehnten einfordert. Bei der Fifa selbst scheinen diese Begriffe jedoch nicht mehr als hohle Phrasen zu sein. Das gilt besonders für den Umgang mit kritischen Journalisten.
Fifa-Präsident Joseph Blatter mag keine kritischen Journalisten
Foto: ddp


Das Netzwerk Recherche hat der Fifa auf diesem Anlass die "Verschlossene Auster" 2012 verliehen. Der Negativ-Preis wird jährlich auf der Tagung des Netzwerkes für besonders intransparente und schlechte Pressearbeit vergeben. "Die FIFA hat in den vergangenen Jahren alle Versuche kritischer Journalisten, über Korruption und Ungereimtheiten bei der Postenvergabe zu recherchieren abgeblockt", wird Oliver Schröm, Vorsitzender des Netzwerkes Recherche in der Begründung zitiert.

"Im letzten Jahr schüttete die FIFA 96,8 Millionen Dollar an Löhnen, Zahlungen an Ehrenamtliche und Boni aus - nicht übel für einen nicht gewinnorientierten Verein mit extremen steuerlichen Privilegien und einem ideellen Zweck", sagte Roland Bügel, früher Fifa-Mitarbeiter, heute Schweizer Nationalrat, der als "Laudator" geladen war.

Fifa-Vertreter erschienen zur Preisverleihung nicht, der Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio schrieb den Journalisten jedoch eine E-Mail. Darin betonte er, die Fifa habe sich mittlerweile geöffnet. Den Journalisten rät er, sich über den letzten Fifa-Kongress zu informieren. "Da werden Sie ein paar Ansätze finden, um Ihre Meinung zu ändern. Wenn Sie denn daran interessiert sind." Falls man tatsächlich an einer Sachdiskussion interessiert sei, sei er "jederzeit bereit, mich Ihren Fragen zu stellen", so De Gregorio. Oliver Schröm bezeichnete diese Maßnahmen als Kosmetik.

Die Akkreditierung "mit sportlichem Gruß" verweigert


Der Journalist Thomas Kistner hat vor wenigen Wochen ein Buch mit dem Titel "Fifa Mafia" veröffentlicht. Darin beschreibt er auf mehr als 400 Seiten das schamlose Treiben der Fifa-Funktionäre, berichtet über gekaufte Wahlen und wie allein bei Fernsehübertragungsrechten in der Vergangenheit Schmiergelder im dreistelligen Millionenbereich (!) geflossen sind. Auch der Umgang mit der Presse kommt zur Sprache, etwa, wie die Fifa einem kritischem Journalisten die Akkreditierung für eine Fußball-WM "mit sportlichem Gruß" verweigert.

Oder aber die Verschwiegenheit, wenn es um das exakte Gehalt von Präsident Joseph Blatter geht. Der Milliardenkonzern Fifa ist in der Schweiz als einfacher Verein eingetragen und deshalb auch nicht verpflichtet, konkrete Gehälter offen zu legen. Zwar werden allgemein gehaltene Gesamtzahlen für Vorstände und Ehrenamtler (siehe oben) veröffentlicht, Nachfragen sind jedoch nicht erwünscht. Auf die Frage Kistners, wie hoch der Anteil für das Präsidentenbüro sei, antwortete die Pressestelle: "Der Präsident erwähnte sein Gehalt zuletzt in einem Interview ungefähr Mai/Juni 2011 in einer deutschen Zeitung." Einfach Frage - verschwurbelte Antwort. Die gab der Präsident auch im damaligen Interview: "Eine Million Dollar. Vielleicht auch ein bisschen mehr."

In dem Buch werden zahllose weitere Fälle beschrieben, wo es auf kritische Nachfragen von Journalisten unbefriedigende oder schlichtweg gar keine Antworten des Weltverbandes gab.

Wie Fifa Präsident Joseph Blatter selbst mit den Nachfragen kritischer Journalisten umgeht, zeigt auch dieses Video: "Ich werde mich nicht an Diskussionen mit Leuten beteiligen, die offensichtlich nur Ärger machen wollen", baffte er 2011 die Journalisten kurz vor seiner Wiederwahl auf einer Pressekonferenz an.



Der Anti-Preis ist sicher ein Zeichen. Die großen Fußballverbände können sich allerdings gewiss sein: Das nächste große Turnier - wie die nun von der Uefa veranstaltete Fußball EM - kommt bestimmt. Und mit ihr die schönen Bilder jubelnder Menschen, die eine kritische Berichterstattung schnell wieder vergessen machen.
 Andreas Rickmann

Von Andreas Rickmann

  • Seite drucken
  • Link versenden

Kommentare

Einträge werden geladen...


Kommentar:

Noch 1000 Zeichen.

Name: 
Email-Adresse:


(wird nicht veröffentlicht)