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“Fangt an, euch wie anständige Leute zu benehmen”

Lady Gaga sperrt Fotografen aus. Coldplay verlangt Bühnen-Bilder, ohne dafür bezahlen zu wollen. Mit dreisten Forderungen schränken Musikbands die freie Konzertberichterstattung ein. Doch die Journalisten wehren sich.
Bild Leipzig über Coldplay
So berichtete Bild-Leipzig am 14. September über das Coldplay-Konzert im Leipziger Stadion

Der Ausriss unseres Titelbildes zeigt eine Überschrift aus der Freitags-Ausgabe von Bild-Leipzig. “Wer als freier Pressefotograf Bilder bei einem Konzert machen will - und damit auch Geld verdienen möchte - hat es immer schwerer”, heißt es im Text darunter. Anlass des Berichts war das Coldplay-Konzert im Leipziger Stadion am Freitagabend. In der Samstags-Ausgabe von Bild Leipzig gibt es keinen Bericht über das Großereignis. Das hat einen guten Grund.

In der Vergangenheit haben wir mehrfach über die dreisten Regeln für Fotografen auf Konzerten berichtet. Wir haben Verträge von Prominenten und Musikbands, darunter auch Coldplay, veröffentlicht. Sie zeigen, welchen Forderungen sich Journalisten unterwerfen müssen, um überhaupt von Konzerten berichten zu können.

Wer sich als Foto-Journalist für ein Konzert von Coldplay akkreditieren will, muss dem Management vorher mitteilen, an wen er seine Bilder verkauft. Speziell bei freien Fotografen ist das eine massive Beschneidung der eigenen Geschäftsgrundlage. Besonders unverfroren aber ist eine weitere Bedingung: Die Fotografen müssen zusichern, dass sie der Band ihre Konzert-Bilder zur Verfügung stellen. Die Band wiederum darf sie verwenden, wie sie will - kostenlos!

"Unzumutbare Fotoverträge"


Lady-Gaga Konzert in Köln
Beim Lady-Gaga Konzert am 4. September in Köln waren KEINE Fotografen zugelassen. So reagierte Bild-Köln.
“Das ist ein krasser Verstoß gegen das Urheberrecht”, erklärte der DJV-Vorsitzender Michael Konken dazu. Der DJV rief deshalb alle Medien dazu auf, nicht über Coldplay Konzerte in Deutschland zu berichten. Diese Forderung erneuerte der Bayerische Journalistenverband am 12. September.: „Das Management der Gruppe knebelt Bildjournalisten mit unzumutbaren Fotoverträgen und macht eine freie Berichterstattung unmöglich,“ erklärte BJV-Vorsitzender Wolfgang Stöckel vor dem Coldplay-Konzert im Olympiastadion.

Als die Band am 4. September im Kölner Stadion auftrat, verzichtete auch der WDR-Radiosender Einslive darauf, Bilder vom Konzert auf seiner Internetseite zu zeigen. Stattdessen thematisieren sie die unverschämten Forderungen der Band in einem ausführlichen Artikel. Noch dreister allerdings war das Management von Popsängerin Lady Gaga, die ebenfalls am 4. September in Köln auftrat: Zu ihrem Konzert in der Kölnarena waren gar keine Presse-Fotografen zugelassen (siehe Foto).


Image schlägt Pressefreiheit


Das Hamburger Abendblatt befragte im August dieses Jahres einen Musikmanager zu der Thematik. Der rechtfertigte die generelle Praxis von Musikbands gegenüber Journalisten: “Man möchte auch über Fotos ein Image aufbauen. Schlechte Bilder sind da sehr kontraproduktiv," erklärte er und führt außerdem die nicht kontrollierbaren Verbreitungsmöglichkeiten des Internets als Grund an. Pressefreiheit? Fehlanzeige!

Konzert-Fotograf Peter Wafzig, der uns bereits im Frühjahr seine Erfahrungen mit dreisten Konzertmanagern geschildert hat, war ebenfalls bei dem Coldplay-Konzert in Köln vor Ort. Er schickte der Band anschließend ein verschwommenes Foto, schrieb dazu an Sänger Chris Martin: “Klar gibt es noch eine Menge anderer guter Fotos, aber leider wirst Du die nie bekommen. Diese Bilder bleiben gut verschlossen auf meinen Festplatten - Es sei denn, ihr hört auf, unsere Rechte zu stehlen und fangt endlich an, euch wie anständige Leute zu benehmen.”
 Andreas Rickmann

Von Andreas Rickmann

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